au clair de la lune
In der letzten Woche bin ich an vier von fünf Tagen zu spät zur Arbeit gekommen. Am fünften Tag war ich nur innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens an meinem Schreibtisch, weil es geregnet hat wie Sau und ich mich doch lieber mit dem Auto auf den Weg machte, das reduziert die Anfahrtszeit um die Hälfte. Bei Regen bin ich ein Weichei, dann fahr ich nicht Fahrrad. All dies, weil mein bis hierhin so verlässlicher Wecker den Geist aufgab (woher kommt bloß dieser Ausdruck?). Eigentlich hat nur das Netzteil den Geist aufgegeben, die Uhrzeit wurde ja noch angezeigt und geweckt hätte er auch noch, nur hat das Netzteil so laut gebrummt, dass ich nicht in den Schlaf gefunden habe, aus dem ich dann geweckt hätte werden müssen.
Gestern wurde ein neuer Wecker gekauft. Mit sechs Zentimeter hoher LED Anzeige, damit ich hornhautverkrümmtes Huhn die Zahlen auch mitten in der Nacht erkennen kann, wenn ich im Halbschlaf ein Auge aufblinzele. Wie Mondlicht fällt ihr Schein beruhigend auf mich hinab. Der Weckruf (die Bedienungsanleitung nennt ihn liebevoll Buzzer) ist unwiderstehlich, das morgendliche AufdenletztenDrückerloshetzen damit Vergangenheit.
Heute Morgen wurde ich um 6:55 Uhr kurz wach, die Zahlen leuchteten mir freundlich grün entgegen. "Schön," dachte ich, "eine halbe Stunde hab ich noch." Kuschelte mich in meine Schlafmulde und schlummerte wieder ein. Wenige Minuten später fiel der Strom aus.
schmittskatze - 22. Aug, 11:53
Mirtana - 22. Aug, 16:22
Die Redewendung "den Geist aufgeben" kann man wohl nicht auf einen Ursprung zurück führen. Am beliebtesten ist immer noch die These, daß sie aus dem Mittelalter kommt und mit der Letzten Ölung zusammenhängt. Gab ein Priester einem Kranken die "Letzte Ölung", dann gab er offiziell die Hoffnung auf, daß dieser Mensch wieder gesund werden würde - er gab also dessen Seele/Geist auf.
Eine andere beliebte Theorie besagt, es würde daher kommen, daß im Falle des Sterbens die Seele bzw. der Geist den Kampf aufgebe - ergo, der Mensch stirbt.
Eine andere beliebte Theorie besagt, es würde daher kommen, daß im Falle des Sterbens die Seele bzw. der Geist den Kampf aufgebe - ergo, der Mensch stirbt.
schmittskatze - 22. Aug, 21:15
Vielen Dank, gut, wenn wandelnde Lexika unter den Lesern sind. Ich hatte auch dieses nette Bild vor Augen: man kann seinen Geist genauso bei der Post aufgeben wie ein Paket. "Na, wo soll'n der Nebel denn hin?"
Mirtana - 22. Aug, 21:19
Hehe, hier besteht ja keine Gefahr, daß ich mitten in der Nacht mit sinnigen Fragen aus dem Schlaf gerissen werde. Nettes Bild übrigens, besser noch als mit der Post versandte Urnen, die dann irgendwo verloren gehen während der arme Seebestatter in Erklärungsnöte kommt, wo denn Omma samt Urne abgeblieben sei ...
Chinaski - 23. Aug, 00:28
Der Strom fiel aus? ähm, wo residierst du meine Liebe? Blogst du aus den Gaza Streifen? :)
Kaffeetante64 - 25. Aug, 07:05
Hallo.
wenn ich dein Kampf mit dem Wecker lese, fällt mir dazu das Lied "Eim ganz normaler Tag" von Franziska Kleinert ein.
LD MIchaela
wenn ich dein Kampf mit dem Wecker lese, fällt mir dazu das Lied "Eim ganz normaler Tag" von Franziska Kleinert ein.
LD MIchaela
schmittskatze - 6. Sep, 19:30
Ja, der Text passt. Zwar nicht die Stelle mit den Hühnern, aber ab dem Bad könnte er von mir sein.
Ach sorry, ich vergesse das mit den Smilies immer - werde mich bessern. Kann ich Deinem Text entnehmen, daß Du dann wieder zu spät gekommen bist? Vielleicht doch mal einen Wecker mit Batterie nehmen. Leuchtet vielleicht nicht so schön, aber der funktioniert auch nach dem Stromausfall.